Bevor ich mein erstes Unternehmen in Österreich gegründet habe, fragte ich drei Gründer, was es kostet. Ich bekam drei völlig verschiedene Antworten: „praktisch nichts“, „etwa 5.000 Euro“ und „mindestens 20.000 Euro“. Alle drei stimmten — sie beantworteten nur unterschiedliche Fragen.
„Praktisch nichts“ war der Einzelunternehmer, der von zu Hause mit einem Laptop arbeitete. „Etwa 5.000 Euro“ war der freiberufliche Berater mit Schreibtischplatz und Steuerberatung. „Mindestens 20.000 Euro“ war der GmbH-Gründer mit Büro und zwei Angestellten.
Die echte Antwort hängt von Rechtsform, Branche und Ihrem persönlichen Verständnis von „minimal“ ab. Hier sind die tatsächlichen Zahlen.
Weg 1: Einzelunternehmen
Der einfachste und günstigste Weg. Die meisten Solo-Gründer und Freiberufler starten hier.
Gewerbeanmeldung: 0 bis 50 Euro. Bei Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat. Die Gebühr ist minimal.
SVS: im ersten Jahr mindestens rund 500 bis 600 Euro pro Quartal, also etwa 2.000 bis 2.400 Euro. Das ist Ihr größter Fixkostenblock.
Steuerberatung: 800 bis 2.000 Euro pro Jahr für laufende Buchhaltung und Jahreserklärung. Man kann das anfangs selbst machen, die meisten geben es irgendwann ab, weil die Zeitersparnis den Preis wert ist.
Tools und Software: 50 bis 200 Euro im Monat. E-Mail, Website, Projektverwaltung, Buchhaltung, Design.
Website: 0 bis 500 Euro für den Start. Sie brauchen für Version eins keinen Designer.
Büro oder Coworking: 0 bis 300 Euro im Monat. Von zu Hause kostenlos, ein Coworking-Platz 150 bis 300 Euro. Unterschreiben Sie im ersten Jahr keinen Büromietvertrag.
Gesamt im ersten Jahr: etwa 3.500 bis 6.000 Euro. Also rund 300 bis 500 Euro Fixkosten pro Monat. Wenn Sie Rücklagen für sechs Monate Lebenshaltung plus diese Betriebskosten haben, können Sie in Österreich mit rund 10.000 bis 15.000 Euro Gesamtlandebahn gründen.
Weg 2: GmbH
Die GmbH bietet Haftungsbeschränkung und wird als professioneller wahrgenommen. Sie kostet in Gründung und Erhaltung mehr.
Gründung: 2.000 bis 5.000 Euro gesamt — Notar (1.000 bis 2.000), Firmenbuch (500 bis 800), Rechtsberatung für den Gesellschaftsvertrag (500 bis 2.000). Mit Musterverträgen lässt sich der Rechtsanteil senken.
Stammkapital: mindestens 10.000 Euro, davon ist die Hälfte — 5.000 Euro — bei der Gründung bar einzuzahlen. Seit 1. Jänner 2024 gilt diese Grenze; davor waren es 35.000 Euro. Die frühere Gründungsprivilegierung wurde damit abgeschafft, weil sie nicht mehr gebraucht wird. Das Geld ist nicht verloren — es liegt auf dem Firmenkonto und steht für den Betrieb zur Verfügung.
SVS: wie beim Einzelunternehmen, wenn Sie Geschäftsführer sind — rund 2.000 bis 2.400 Euro im ersten Jahr.
Steuerberatung: 2.000 bis 5.000 Euro pro Jahr. Die GmbH-Buchhaltung ist aufwendiger, doppelte Buchführung ist Pflicht, der Jahresabschluss muss formalen Anforderungen genügen.
Mindestkörperschaftsteuer: 500 Euro pro Jahr — auch dann, wenn die Gesellschaft keinen Gewinn macht.
Was Sie im ersten Jahr nicht brauchen
Ein eigenes Büro. Eine Marke, bevor Sie wissen, ob das Geschäftsmodell trägt. Eine teure Website. Firmenwagen. Angestellte, solange Auftragslage und Cashflow nicht stabil sind. Jede dieser Ausgaben lässt sich später nachholen — und dann aus laufendem Umsatz statt aus Ersparnissen.
Der häufigste Fehler ist nicht, zu wenig auszugeben. Es ist, früh Fixkosten aufzubauen, die den Runway verkürzen, bevor das Modell überhaupt validiert ist.
Beträge und Gebühren ändern sich. Prüfen Sie den aktuellen Stand bei WKO, SVS und Ihrer Steuerberatung.