Die FFG, Österreichs Forschungsförderungsgesellschaft, ist eines der bestgehüteten Fördergeheimnisse für heimische Startups. Nicht weil sie geheim wäre — die Informationen sind öffentlich — sondern weil die meisten Gründer sie entweder nicht kennen, für reine Forschungsinstitutionen halten oder vom Antragsprozess abgeschreckt werden.
Ich habe bei Startup Burgenland mehrere Startups durch FFG-Anträge begleitet. Zwei Dinge kann ich Ihnen sagen. Erstens: Das Geld ist real und substanziell. Zweitens: Der Prozess ist zugänglicher, als er aussieht — besonders bei den Einstiegsprogrammen, die für Startups und Kleinunternehmen gemacht sind.
Was die FFG ist
Die FFG ist die Förderagentur des Bundes für angewandte Forschung und Entwicklung. Sie vergibt jährlich mehrere hundert Millionen Euro — von Grundlagenforschung bis zu angewandten Innovationsprojekten.
Für Startups sind zwei Kategorien relevant:
Machbarkeitsstudien. Kleinere Zuschüsse, die klären, ob eine Idee technisch und wirtschaftlich tragfähig ist. Für die meisten Startups der Einstiegspunkt.
Innovationsprojekte. Größere Zuschüsse für die Entwicklung neuer Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren. Sie erfordern umfangreichere Anträge und meist einen Proof of Concept.
Der entscheidende Punkt: FFG-Förderung ist nicht dilutiv. Sie bekommen Geld, ohne Anteile abzugeben. Das unterscheidet sie grundlegend von Wagniskapital. Sie behalten Ihr Unternehmen vollständig und finanzieren die Entwicklung mit öffentlichen Mitteln.
Die relevanten Programme
Basisprogramm. Das Allzweckprogramm der FFG für F&E-Vorhaben. Es gibt keine fixe Einreichfrist — Sie können jederzeit beantragen. Diese Flexibilität ist für Startups wertvoll, weil Sie nach Ihrem Zeitplan finanzieren und nicht nach einem Förderzyklus.
Innovationsscheck. Ein vereinfachter Gutschein, mit dem Sie Forschungsleistungen einer Forschungseinrichtung im Wert von bis zu 10.000 Euro zukaufen können — Prototyping, technische Validierung, Machbarkeitsabschätzung. Vergeben als De-minimis-Beihilfe. Der einfachste Einstieg überhaupt.
Impact Innovation. Für Vorhaben mit gesellschaftlicher Wirkung neben dem wirtschaftlichen Potenzial. Oft zugänglicher für Startups, deren Innovation soziale oder ökologische Probleme adressiert.
Markt.Start. Unterstützt Startups in der Markteintrittsphase — Marktvalidierung, Kundengewinnung, Geschäftsmodellschärfung. Relevant, wenn Sie einen funktionierenden Prototyp haben und die ersten Kunden erreichen wollen.
Für fast jede Phase von der Idee bis zum Markt gibt es ein Programm. Viele Gründer sind für Programme förderbar, von denen sie nie gehört haben.
Sind Sie förderbar?
Der häufigste Irrtum: FFG-Förderung sei nur etwas für Deep-Tech-Unternehmen oder Uni-Spin-offs. Ist sie nicht. Jedes Unternehmen, das F&E betreibt — und die FFG definiert das breit — kann förderbar sein.
F&E im weiten Sinn. Wenn Sie etwas Neues entwickeln — eine neue Software, eine neue Dienstleistungsmethodik, eine neue Anwendung bestehender Technologie oder einen neuen Lösungsweg für ein bekanntes Problem — qualifiziert das in der Regel. Sie müssen keine Quantencomputer bauen.
Unternehmensvoraussetzungen. Sie brauchen ein in Österreich registriertes Unternehmen oder müssen es gerade gründen. Einzelunternehmen, GmbH und andere Rechtsformen sind antragsberechtigt.
Wie Sie vorgehen
Erst beraten lassen. Die FFG bietet kostenlose Beratung an. Ein Gespräch vor der Einreichung klärt, welches Programm passt, und erspart oft eine Ablehnungsrunde.
Klein anfangen. Der Innovationsscheck ist der niedrigschwelligste Einstieg. Ein bewilligter kleiner Antrag baut Erfahrung und Historie für größere auf.
Das Neue benennen. Anträge scheitern selten am Geschäftsmodell und häufig daran, dass der Innovationsgehalt nicht klar herausgearbeitet ist. Beschreiben Sie präzise, was Stand der Technik ist und wo genau Sie darüber hinausgehen.
Realistisch planen. Arbeitspakete, Meilensteine und Kosten müssen zusammenpassen. Fachgutachter erkennen aufgeblähte Budgets sofort.
Für bootstrappende Gründerinnen und Gründer in Österreich kann FFG-Förderung genau die Landebahn schaffen, die man braucht, um ohne externe Investoren zum Product-Market-Fit zu kommen.
Programme, Quoten und Beträge ändern sich. Prüfen Sie den aktuellen Stand auf ffg.at, bevor Sie einreichen.